Die Legende von Ki – Leseprobe

Prolog

Die Nacht war sternenklar und ein warmer Wind trug die Gerüche von Rosmarin, Fichtenzweigen, feuchter Erde und Moos mit sich. Will atmete tief ein. Er hatte den Geruch der freien, unberührten Natur schon lange nicht mehr so bewusst wahrgenommen. Und das, obwohl er ihm vertraut war, oder besser, vertraut gewesen war. Vor so vielen Jahren. Wilden Jahren, guten Jahren. Jahren der Jugend, Jahren der Freundschaft, Jahren des Kampfes. Aber all das war schon lange vorbei.

Sein Blick wanderte hoch zu den Sternen. Müde schloss er die Lider. Fast sein ganzes Leben lang hatte ihn eine Vorahnung drohenden Unheils belastet, sein Handeln bestimmt. Und das, obwohl er in all diesen Jahren nie hatte sicher sein können, ob er nur einem Hirngespinst hinterherjagte oder ob die Welt tatsächlich auf eine Katastrophe zusteuerte.

Doch vor wenigen Monaten hatten die Albträume begonnen. Äußerst konkrete Träume. Träume, die ihn angsterfüllt und schweißüberströmt aus dem Schlaf rissen. Träume, die er schon deshalb nicht ignorieren konnte, weil er früher bereits immer wieder Visionen von zukünftigen Ereignissen gehabt hatte, die dann auch wirklich eingetreten waren.

Er hatte lange mit sich gerungen, bis er seinen Sohn um einen Gefallen gebeten hatte. Karl war Professor an der Harvard University im Fachbereich Astronomie. Im Rahmen eines laufenden Projekts hatte er Zugriff auf Daten und Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops. Will hatte ihn gebeten, eine spezielle Region des Sonnensystems zu überwachen, die Daten zu sammeln und auszuwerten. Es war seine eigene fixe Idee gewesen und er hatte nicht lockergelassen, bis Karl schließlich zugestimmt hatte.

Es erwies sich als eine mühsame Arbeit, weil sie nur zu zweit die Daten analysierten. Ohne fremde Hilfe. Ihre ersten Auswertungen hatten keine besonderen Ergebnisse gebracht. Das hatte Will erst mal beruhigt. Aber dann, vor einer Woche, waren sie auf etwas Seltsames gestoßen. Die Daten wiesen Anomalitäten auf, die sich nur dadurch erklären ließen, dass sich ein Objekt mit außerordentlich hoher Geschwindigkeit der Erde näherte. Aber das wirklich Außergewöhnliche und Erschreckende an den Ergebnissen war, dass sich das Objekt von Tag zu Tag verlangsamte. Seinen Flug bremste. Und dazu war kein natürliches Objekt in der Lage!

Will öffnete langsam die Augen. Er betrachtete den Armreif an seinem Handgelenk. Die Geschichte, der er sein bisheriges Leben verschrieben hatte, war also wahr. Die Geschichte von fremden Wesen, die sich der Erde näherten und bereits vor sehr langer Zeit damit begonnen hatten, in Vorbereitung ihrer Ankunft, die Menschheit zu attackieren. Mit Asteroiden voller Viren, die in einer ersten Angriffswelle vorausgeschickt worden waren. Viren, die bei Infizierten massive Genveränderungen herbeiführten. Genveränderungen, die an die Nachkommen weitergegeben wurden und die Betroffenen zu begriffsstutzigen, willenlosen, devoten und gefühlskalten Menschen machten. Ein Angriff, der im Grundrauschen der natürlichen Seuchen und Katastrophen unbemerkt bleiben sollte. So konnte die Entwicklung von Intelligenz auf der Erde gebremst und gesellschaftlicher und technologischer Fortschritt im Keim erstickt werden.

Oh, wie viele Kämpfe hatte er deswegen ausgetragen, Blut vergossen, Freunde verloren. All diese Kämpfe, all sein Handeln und das seiner früheren Gefährten waren also richtig und nicht umsonst gewesen. Will schloss erneut die Augen und atmete tief ein. Ein Gefühl der Traurigkeit überrollte ihn.

„Warum jetzt, warum ausgerechnet jetzt?“, fragte er sich. Jetzt, wo er zum ersten Mal in seinem langen Leben eine Familie hatte. Einen Sohn, den er liebte, und mit Tom einen Enkel, den er vergötterte. Jetzt, wo er endlich auch einmal fühlen durfte, wie es ist, ein Zuhause zu haben und dazuzugehören. Jetzt, wo gerade ein neues Jahrtausend seinen Anfang nahm, die Weltmächte in Frieden kooperierten und die Menschheit voller Hoffnung in die Zukunft schaute.

Das Sammeln von Daten des Hubble-Weltraumteleskops war mit Sicherheit nicht unbemerkt geblieben. Und das explizite Sammeln von Bildern aus einer speziellen Weltraumregion hatte zweifelslos die Gegenseite in Alarm versetzt. Er hatte lange genug gegen dieses Übel gekämpft, um davon ausgehen zu müssen, dass die Anhänger der Fremden bereits Bescheid wussten und alle Hebel in Bewegung setzten, alles Nötige taten, um die Nachricht über ein außerirdisches Objekt so lange wie möglich zu unterdrücken. Und Will wusste, was das bedeutete: Karl und er waren in Gefahr. In großer Gefahr. …

Welche Gefahren lauern auf Will, Karl und Wills Enkel, Tom und wer ist Ki?

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